Kurztest: Ebook-Reader Onyx Boox 60

Ich habe mir vor Kurzem den Onyx Boox 60 Ebook-Reader angeschafft. Das Ding kostet z.Z. knapp 300 Euro und wird derzeit nur in Venlo vertrieben, sodass man das Teil nur online bestellen kann, z.B. unter ebookreaderstore.de.

Hier also mein erster Eindruck:

Der Boox-60 ist ein Ebook-Reader mit 6-Zoll-Display. Er kommt mit einem eleganten Leder-Etui daher. Das Ding liegt gut in der Hand. Eingeschaltet wird der Boox über einen Tipp-Schalter am unteren Teil des Gehäuses. Der Boox bootet relativ schnell und ist nach ein paar Sekunden einsatzbereit. Die Anzeige ist klar und die Schrift sehr angenehm zu lesen. Das Display ist matt und spiegelt überhaupt nicht, wie bei einigen anderen Ebook-Readern der Fall ist.

Bedient wird der Reader über einen großen runden Knopf unter dem Display oder über den mitgelieferten Eingabestift. Der Boox besitzt keinen Touchscreen; den braucht man aber auch nicht.

Als Firmware ist bei mir die Version 1.4 20100625 installiert.

Positiv aufgefallen ist mir die lange Akku-Laufzeit: bislang läuft der Boox eine Woche durch, allerding ohne eingeschaltetes WiFi. Bei moderater WiFi-Nutzung muss man spätestens nach zwei Tagen das Ding wieder aufladen.

Die für mich am wichtigsten Ebook-Formate sind PDF und CHM. Meine EBooks liessen sich mit dem Boox bis auf eine Ausnahme alle problemlos öffnen. Der Boox kommt mit den Adobe Acrobat Reader Mobile daher, der alle PDFs weitestgehend problemlos darstellt.

Um die PDFs auf dem 6-Zoll-Bildschirm auch ohne Lupe lesen zu können, bietet der Boox zum einen die Möglichkeit, einen größeren Font auszuwählen, zum anderen kann man bei PDFs auch zoomen.

Da ich viele Ebooks aus dem Bereich IT lese, nützt mir ein größerer Font oft nicht viel, da damit Abbildungen entweder nicht vergrößert werden, oder durch den zu großen Font falsch dargestellt werden. In den meisten Fällen kann man aber die Zoom-Funktion auf eine einigermaßen lesbare Größe stellen. Hilfreich ist hierbei auch, dass man die Bildschirm-Anzeige um 90° drehen kann. So kann man meist die Bücher in voller Breite darstellen, ohne weitere zusätzliche Umbrüche zu forcieren.

Was mich besonders nervt, ist das der Acrobat Reader als Standard-Einstellung auf "Single page" und nicht auf "Scrolled page" steht. Diese Einstellung muss man jedesmal neu setzen, wenn man ein PDF öffnet. Dummerweise wird dann auch jedesmal der Font zurückgesetzt. Wählt man also erst einen lesbaren Font und wechselt dann in die "Scrolled page"-Einstellung, darf man seinen soeben ausgesuchten Font erneut einstellen. Hier gibt es durchaus noch eine Menge Optimierungs-Bedarf. Diese Probleme werden - denke ich - aber eher vom Acrobat-Reader veruracht, als vom Boox selber.

WiFi
Mein WLAN wurde vom Boox sofort erkannt, auch die WPA2-Verschlüsselung versteht er problemlos. Der im Boox integrierte Browser ist sehr spartanisch, stellt aber bislang alle Seiten, die ich angesurft habe, makellos dar. Einziger Wermutstropfen: bei der Eingabe von URLs fehlt auf der OnScreen-Tastatur der Punk. Den erreicht man nur duch Anklicken der Shift-Taste.

DRM
Ich besitze ein Ebook, das DRM-geschützt ist. Zum Öffnen wird das FileOpen-Plugin von Adobe benötigt. Dieses Ebook ließ sich mit dem Boox leider nicht öffnen.

Äußerst positiv finde ich, dass der Boox ein offenes System ist. Es gibt ein
SDK
, dass man ich downloaden kann, um eigene Applikationen für den Boox zu programmieren. Bislang hab ich auch eine zusätzliche Applikation installiert: NewsFlash ist ein RSS-FeedReader für den Boox.

Negativ aufgefallen sind mir folgende Sachen:
Es kommt relativ häufig vor, dass der Boox, nachdem er bei geöffnetem Ebook in den Sleep-Mode gewechselt ist, nicht mehr richtig funktioniert, wenn ich ihn wieder einschalte. Die Bedienungstasten reagieren einfach nicht. Da hilft dann oft nur aus- und wieder einschalten.

Unangenehm ist mir auch aufgefallen, dass man bei CHM-Dateien mit den Steuerungstasten nicht ordentlich blättern kann: Beim Umblättern auch die nächste Seite wird immer eine Zeile übersprungen! Man muss innerhalb von CHM-Dateien immer mit dem mitgelieferten Stift blättern. Das finde ich persönlich ziemlich nervig, da die meisten meiner EBooks CHMs sind.

Mein Fazit:
300 Euro sind meiner Meinung nach zu viel für einen Reader. Allerdings finde ich den Boox im Vergleich mit anderen Ebook-Readern immer noch deutlich besser. Insofern hat der Boox-60 ein relativ ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis. Generell würde ich aber sagen, dass alle Ebook-Reader immer noch überteuerte und nicht wirklich ausgereifte/alltagstaugliche Geräte sind.